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Betriebsführung für Asylbewerber-Klasse der Hans-Glas-Berufsschule

Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und soziales Engagement sind uns immer ein Anliegen – beruflich, privat und politisch. Deshalb haben wir uns gefreut, als uns die Asylbewerber-Klasse der Hans-Glas-Schule mit ihrem Lehrer Hans Haider zu einer Betriebsführung besuchte.

Mit freundlicher Genehmigung des Dingolfinger Anzeigers dürfen wir den dazu erschienenen Zeitungsbericht aus der Feder von Diana Wolf in voller Länge wiedergeben:


Spracherwerb als Schlüssel zum Erfolg

Betriebsbesichtigungen als erste Berufsorientierung für Asylbewerber

Dingolfing. „Service mit Hingabe und Sorgfalt!“ Was als Slogan für die Brennsteiner GmbH wirbt, galt kürzlich auch für einen Besuch der Asylbewerber-Klasse der Hans-Glas-Schule beim Autohaus Brennsteiner. Der Chef, Hanns Brennsteiner, nahm sich viel Zeit, um die Schüler mit ihrem begleitenden Berufsschullehrer Hans Haider und der Sozialpädagogin Bernadette Zimmermann das erste Kennenlernen eines deutschen Betriebes zu ermöglichen und ihnen seinen Betrieb genauer zu zeigen.

Das duale Ausbildungssystem, mit paralleler Ausbildung in Betrieb und Schule, hatte die Klasse bereits im Unterricht besprochen. Doch die Vorstellungen der Schüler von Beruf und Arbeit sowie Ausbildung in Deutschland waren beziehungsweise sind eher wenig ausgeprägt. Sie basieren hauptsächlich auf Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern, aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Senegal, Sierra Leone, Nigeria, Somalia und aus dem Kosovo. Umso beeindruckender war es für die jungen Männer und Frauen, einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsfelder im Rahmen dieser ersten Berufsorientierung zu gewinnen.

Mit einzelnen Fragen und staunenden Blicken drückten sie ihr hohes Interesse aus und zeigten sich dankbar für die Möglichkeit der Betriebsbesichtigung. Hanns Brennsteiner sprach auch deutlich die Anforderungen an Ausbilder, Auszubildende und Facharbeiter aus Sicht eines Chefs an.

Ebenso wurde mittlerweile das Bürgerheim Dingolfing besichtigt. Anton Schratzenstaller, Leiter der Einrichtung, bot interessante Informationen und Einblicke, die von den überaus höflichen, jungen Berufsschülern dankbar aufgenommen wurden.

An der Hans-Glas-Schule werden derzeit zwei Klassen mit Asylbewerbern unterrichtet. Eine Klasse mit 18 Schülern (davon 16 Asylbewerber) wird seit September 2014 vormittags sowie an einem Nachmittag beschult. Eine zweite, kurzfristig vom Kultusministerium genehmigte Klasse mit 17 minderjährigen Flüchtlingen ohne Begleitung lernt seit März des Jahres, ebenfalls im Vollzeitunterricht, die deutsche Sprache. Auch Hausaufgaben gehören natürlich zum Lernprogramm. Hier stehen drei engagierte Ehrenamtliche für Betreuung und allgemeine Unterstützung zur Verfügung.

Für zwei Jahre besuchen die Schüler dieses Bildungsangebot, das sie im optimalen Fall für eine anschließende Ausbildung befähigen soll. Im ersten Jahr liegt der Fokus auf der deutschen Sprache, Lebens- und Landeskunde und Grundlagen der Mathematik. Die Schüler zeigen ein enormes Interesse daran, möglichst schnell Deutsch zu lernen sowie an Arbeit und Ausbildung. „Wenn ich gut Deutsch spreche, finde ich leichter eine Arbeit“, weiß Habibullah.

Er übt jeden Nachmittag eifrig an seinem sich stets erweiternden Wortschatz und der nicht einfachen deutschen Grammatik. „Die Freundlichkeit und der Respekt der Schüler sind beeindruckend und für so manche Lehrkraft eine nicht alltägliche Erfahrung. Die Lernfortschritte sind gut“, bewertet der Klassenleiter die Gesamtsituation, „trotz der nicht einfachen Bedingungen und des durchaus schwierigen alltäglichen Lernumfeldes außerhalb der Schule.“

Die volljährigen Schüler leben in verschiedenen dezentralen Asylbewerber-Unterkünften im Landkreis verteilt. Die unbegleiteten Minderjährigen werden in mehreren Wohngruppen in Verantwortlichkeit der Jugendhilfe betreut, die auch an den Nachmittagen mit gemeinsamen Aktionen Integrationsunterstützung bieten können.

Dient das erste Schuljahr nun übergeordnet dem Ziel des Spracherwerbs und der Sprachförderung, soll der Fokus im kommenden Schuljahr ab September verstärkt auf der Berufsorientierung liegen. Im Rahmen von „geschützten Praktikumsplätzen“, so Klassenleiter Hans Haider, „sollen im Herbst erste Erfahrungen in der Arbeitswelt gelingen.“ So sei eine verbindliche Praktikumswoche für möglichst alle Schüler geplant.

Hier ist die Schule auf Unterstützung durch interessierte Betriebe im Landkreis angewiesen und freut sich über Firmen und Arbeitgeber, die sich vorstellen können, einen (einwöchigen) Praktikumsplatz anzubieten.

Direkte Ansprechperson an der Hans-Glas-Schule in Dingolfing ist die Diplom-Sozialpädagogin Bernadette Zimmermann, die Montag- und Donnerstagvormittag unter der Telefonnummer 08731/3234723 zu erreichen ist. Eine weitere Kontaktmöglichkeit besteht auch per E-Mail an nebenstelle@hgs-dingolfing.de.